Lipödem

Lipödem und die Diagnosestellung

Das Lipödem ist vermutlich genetischer Ursache und betrifft fast ausschließlich Frauen. Weltweit wurde die Erkrankung nur bei wenigen Männern beschrieben. Sie beginnt häufig in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren (Klimakterium).

Auffällig ist die Disproportion zwischen einem schlankem Oberkörper und einer voluminöser unteren Körperhälfte aufgrund von Vermehrung des Unterhautfettgewebes. Das Lipödem ist nicht die Folge von Übergewicht.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnosestellung erfolgt mittels Anamnese (Befragung der Patientinnen zur Ihrer Krankheits-Vorgeschichte) und Untersuchung. Charakteristisch sind das Fettverteilungsmuster an den oberen und unteren Extremitäten, sowie Schmerzempfindlichkeit bei Berührung und eine Neigung zu Hämatomen (blaue Flecke).

Welche Spezialisten sollten Patientinnen aufsuchen?

Bei Verdacht eines Lipödems empfehle ich zunächst eine Untersuchung durch einen Phlebologen, Angiologen oder Lymphologen. Insbesondere sollte neben der hochauflösenden Sonographie des Unterhautfettgewebes (Subkutis) eine Untersuchung der Gefäße erfolgen. Ebenso sollte eine Erkrankung der Lymphbahnen ausgeschlossen werden.

Einteilung der Erkrankung*:

Stadien der Hautveränderungen:

Stadium 1: Die Hautoberfläche ist glatt, das Unterhautfettgewebe (Subkutis) ist verdickt, die Fettstruktur feinknotig verändert.
Stadium 2: Die Hautoberfläche ist uneben (Dellen), die Fettstruktur ist grobknotig verändert.
Stadium 3: Das Gewebe ist zusätzlich derber und härter, es können deformierende Haut/Fettlappen festgestellt werden.

Typen nach Fettverteilungsmustern:

Typ I: Fettgewebsvermehrung im Bereich von Gesäß und Hüften (Reiterhosenphänomen).

Typ II: Das Lipödem reicht bis zu den Knien, Fettlappenbildungen im Bereich der Knieinnenseite.

Typ III: Das Lipödem reicht von den Hüften bis zu den Knöcheln.

Typ IV: Arme und Beine sind betrof­fen.

Typ V: Lipolymphö­dem mit ver­mehr­ter Was­ser­ein­la­ge­rung in Hand- und Fuß­rü­cken, sowie Fin­gern und Zehen.

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Lipödem an den Armen

Bei der Untersuchung zur Diagnosestellung des Lipödems sollten auch die Arme untersucht werden. Nahezu alle Patientinnen (90-95%), die sich in meiner Praxis mit einem Lipödem vorstellen, haben das Lipödem – in unterschiedlicher Ausprägung – auch an den Armen.

Die Angaben von Kollegen bezüglich der Häufigkeit des Lipödems an den Armen, reichen von selten bis zu 90%.

Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit im Bereich der Handchirurgie und der dadurch gewonnenen Erfahrung ist es mir möglich auch eine Liposuktion an den Armen durchzuführen. Leider gibt es deutschlandweit sehr wenige Ärzte, die diese an den ganzen Armen vollziehen.

Schilddrüsen-Unterfunktion bei Lipödem

Sehr häufig geht die Lipödem-Erkrankung mit einer Schilddrüsen-Erkrankung einher.

Konnte eine Lipödem-Erkrankung festgestellt werden, ist es zu empfehlen auch die Schilddrüse untersuchen zu lassen. Zunächst sollten die Schilddrüsen-Hormone im Blut gemessen werden. Bei einem auffälligen Befund sollte dann die Ultraschalluntersuchung und ggf. die Szintigrafie der Schilddrüse erfolgen.