Lipödem > Konservative Therapie

Lipödem und die konservative Therapie

Nach der Diagnosestellung oder Bestätigung der Erkrankung sind folgende konservative Maßnahmen bzw. Therapien zu empfehlen:

1. Die Kompressionstherapie:

Ein Teil der Therapie besteht aus konsequentem Tragen von Kompressionsstrumpfhosen bis Kompressionsklasse IV, hergestellt nach dem Flachstrick-Verfahren.

Die Anpassung sollte durch ein spezialisiertes Sanitätshaus erfolgen. Es ist wichtig, dass Patientinnen sich exakt vermessen lassen bevor die teure Flachstrick-Kompressionswäsche hergestellt wird. Von Kompressionswäsche, die nach der Maßanfertigung nicht passt und dadurch nicht getragen wird, muss abgeraten werden.

Einige Patientinnen berichteten in meiner Praxis, dass die maßangefertigte Kompressionswäsche nach den ersten sechs bis zwölf Lymphdrainagen, nicht mehr passte oder der Kompressionsdruck niedriger war.

Daher empfehle ich nach der ersten Diagnosestellung der Lipödem-Erkrankung, zunächst sechs bis zwölf Lymphdrainage-Sitzungen, denn häufig wird das Lipödem erst nach Jahren festgestellt. Bis dahin hat sich ggf. vermehrt Flüssigkeit in den Beinen oder Armen angesammelt. Mit der Lymphdrainage nimmt der Umfang der Beine und Arme ab. Erst dann sollte die Vermessung für die Flachstrickwäsche erfolgen. Denn wurde bereits zuvor Kompressionswäsche angepasst, könnte diese nicht mehr passen oder der Kompressionseffekt geringer ausfallen.

Daher empfehle ich nach der erstmaligen Diagnosestellung:

Erst Lymphdrainage sechs bis zwölf Sitzungen, dann eine Anpassung der Flachstrick-Kompressionswäsche.

Ich empfehle eine Kompressions-Strumpfhose anpassen zu lassen, die auch die Hüften bzw. Reiterhosen einschließen. Strümpfe, die nur bis zu den Oberschenkeln gehen, komprimieren die Reiterhosen nicht ausreichend.

Bei weit fortgeschrittenen Befunden ist manchmal eher eine Kombination aus einer Capri-Hose und den Strümpfen zu empfehlen.

2. Manuelle Lymphdrainage (MLD)

MLD sollte durch einen Physiotherapeuten erfolgen, der spezialisiert auf die Lipödem-Erkrankung ist. Es empfiehlt sich die Behandlung zweimal pro Woche durchführen zu lassen.

Nicht immer wird diese Therapie von den betreuenden Ärzten verschrieben oder die Kosten von der Krankenkasse übernommen. In solchen Fällen empfehle ich den betroffenen Patientinnen stattdessen ins Schwimmbad zu gehen. Vor allem Wasser-Sportarten, wie z. B. Aqua-Aerobic, Aqua-Jogging, Aqua-Spinning sind zu befürworten. Natürlich hilft auch Schwimmen oder einfach nur normales Gehen im Wasser. Der Wasserdruck wirkt wie eine Lymphdrainage auf den Körper, sodass die meisten Lipödem-Patientinnen über einen positiven Effekt berichten.

3. Bewegungstherapie (siehe auch Bewegung und Sport)

4. Hautpflege und Hautschutz

Ganz wichtig sind Hautpflege und Hautschutz. Durch das regelmäßige Tragen der Kompressionswäsche wird die Haut entfettet und der natürliche Schutz geht verloren. Daher ist es mehr als ratsam regelmäßig die Haut zu pflegen.

Hautschutz und damit die Vermeidung von Wunden an den Extremitäten ist sehr wichtig. Durch Verletzungen der Haut z. B. am Unterschenkel oder durch Fußpilz, entsteht eine mögliche Eintrittsstelle für Bakterien. Diese können zu einer Wundrose mit Beteiligung der Lymphbahnen führen. Wenn sich die Lymphbahnen entzünden, können diese verkleben, sodass der Abtransport der Lymphe erschwert oder eingeschränkt wird. Dadurch kann es zu einem massiven Lymphödem kommen, das dann wiederum am besten in einer spezialisierten Klinik für Lymphologie behandelt werden sollte.

Daher ist Folgendes zu empfehlen:

Bei Gartenarbeiten und Spaziergängen in der Natur sollten Hosen getragen werden, mit denen die Haut vollständig bedeckt wird. Auch im Sommer sollten Sie barfuß gehen vermeiden. Bei Verletzungen, Mückenstichen und Fußpilz sollten Sie einen Arzt aufsuchen und die Hautentzündungen oder Verletzungen behandeln lassen.

5. Abschwellende Maßnahmen

Durch Wärme, langes Stehen oder Gehen kann es zu einer Zunahme der Schwellungen an den Beinen kommen. Außer Medikamenten zur Linderung der Schwellungen sind auch bewerte Hausmittel zu empfehlen wie z. B. Wickel mit Quark, Retterspitz ®* oder Produkte mit Eukalyptus.

*Retterspitz ® ist ein geschützter Marken-Name der Retterspitz GmbH.

Die konservativen Methoden verhindern leider nicht das weitere Wachstum des Fettgewebes, daher ist eindeutig zu der operativen Entfernung des Fettgewebes durch eine Fettabsaugung zu raten.