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Lipödem in der Frauenheilkunde

Auftreten des Lipödems in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren

Es ist bekannt, dass es in Zeiten von Hormonumstellung bei den Patientinnen zu einem Lipödem-Schub kommen kann. Entweder während der Pubertät, einer Schwangerschaft oder während den Wechseljahren.

Lipödem in der Pubertät

In der Pubertät (von lat. pubertas „Geschlechtsreife“) kommt es zur Geschlechtsreife, in der die Fortpflanzungsfähigkeit erreicht wird und im weiteren Verlauf auch zu einem ausgewachsenen Körper. Dies beginnt, indem die Hirnanhangdrüse mit Hormonen ein Signal an den Körper sendet, in bestimmten Organen Geschlechtshormone herzustellen und in das Blut auszuschütten. Bei Jungen ist es in erster Linie das Testosteron, bei Mädchen das Östrogen.

In dieser Zeit zeigt sich sehr häufig der Beginn der Lipödem-Erkrankung, die leider selten zu dem Zeitpunkt erkannt wird.

Trotz schmalem Oberkörper zeigt sich bei den heranwachsenden jungen Frauen eine Zunahme des Beinumfanges. Beginnen die Mädchen zu diesem Zeitpunkt auch die Verhütung mit der Pille, wird oftmals die Zunahme des Körperfettanteils als Nebenwirkung der Antibaby-Pille abgetan.

Bei Zunahme des Beinumfanges während der Pubertät empfehle ich eine Vorstellung bei einem Arzt, der Erfahrung in der Diagnostik des Lipödems hat.

Entweder durch einen Phlebologen, Angiologen oder Lymphologen sollte der Patientin die Lipödem-Erkrankung in Beisein der Eltern erläutert werden. Sicherlich können Sie sich zur Diagnosestellung auch bei einem erfahrenen Lipödem-Chirurgen vorstellen. Allerdings empfehle ich eine Zurückhaltung bezüglich Operationen an minderjährigen Patientinnen mit Lipödem, da noch nicht ausreichend wissenschaftliche Arbeiten vorliegen. Hier ist eher eine konservative Therapie vorzuziehen.

Lipödem durch Verhütung?

Darüber ob die Einnahme oder das Absetzten der Pille zu einem Lipödem-Schub führen kann, sind sich Experten nicht einig. Aus meiner Sicht sollten Lipödem-Patientinnen so wenig, wie möglich, am besten gar nicht hormonell verhüten. In meinem Praxisalltag zeigte sich bei einigen Patientinnen unter Verhütung mit der Dreimonats-Spritze oder Hormonimplantaten eine deutliche Zunahme des Lipödems.

Hormontherapie bei Endometriose und Hirsutismus

In meiner Praxis stellten sich einige Patientinnen vor, die bei einer Therapie der Endometriose eine deutliche Zunahme des Lipödems erfahren mussten.

Ebenso zeigte sich eine Lipödem-Zunahme bei Patientinnen, die wegen vermehrter Beharrung am ganzen Körper (Hirsutismus), hormonell behandelt wurden.

In beiden Fällen kann ich ein Eingreifen in das Hormonsystem bei bestehendem Lipödem nicht empfehlen, solange nicht die Liposuktionen (Fettabsaugungen) durchgeführt wurden. Bei einem Kinderwunsch empfehle ich vor den Schwangerschaften bzw. der Familienplanung, die Liposuktionen des Lipödems durchzuführen. Bei starken Beschwerden, die durch eine Endometriose hervorgerufen werden, ist in Zusammenarbeit mit dem Frauenarzt abzuwiegen, welche Therapie vorzuziehen ist. So kann ein Therapiekonzept besprochen werden.

Lipödem und Schwangerschaft

Es ist bekannt, dass es während einer Schwangerschaft zu einem Schub des Lipödems kommen kann. Der Lipödem-Schub muss nicht gleich bei der ersten Schwangerschaft, sondern kann auch erst bei einer zweiten oder dritten Schwangerschaft auftreten. Aus meiner Sicht ist eine Lipödem-Therapie vor der Schwangerschaft zu empfehlen, wenigstens eine konservative Therapie mit Kompressionswäsche und manueller Lymphdrainage.

Sollte sich eine Patientin vor der Familienplanung zu einer Operation des Lipödems entschließen, kann ich dies nur unterstützen. Denn wie bereits beschrieben, kann eine Schwangerschaft zur deutlichen Zunahme des Lipödems führen.

Lipödem in den Wechseljahren

Nicht selten erfahren die Lipödem-Patientinnen mit Beginn der Wechseljahre einen deutlichen Schub. Auch hier sollte bezüglich hormoneller Behandlungen während der Menopause bzw. des Klimakteriums ein Therapie-Konzept in Zusammenarbeit mit einem Frauenarzt erstellt werden. Wenn möglich sollte spätestens zum Beginn der Wechseljahre eine Lipödem-Therapie erfolgen.

Bei starker seelischer Belastung empfehle ich das Aufsuchen eines Arztes, der auch bei seelischen Schmerzen helfen kann (z.B. Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder Facharzt für Psychiatrie).